2018-03-I von Side nach Sarpi
- fred-on-discovery
- 4. März 2018
- 8 Min. Lesezeit
Von Side aus führte uns unser Weg weiter an der Küste entlang nach Alanya. Auch eine bekannte Touristenstadt an der Riviera mit sehr vielen Hotels , schönen Sandstränden und vielen Einkaufsmöglichkeiten.


Wir besichtigten die Stadt bei sehr angenehmen frühlingshaften Temperaturen und fuhren mit dem Auto auf die Halbinsel mit der Festung Kale Ici, von der aus man einen wunderschönen Blick auf die Stadt, den Hafen und den Roten Turm (Kizil Kule) hat.

Überall kann man in netten kleinen Cafes oder Restaurantes den Tag bei Tee und einheimischen Köstlichkeiten genießen.

Weiter an der Küstenstraße entlang kamen wir nach Gazipasa. Dort bekamen wir von 2 sehr netten Herren beim Überholen ihres Transporters eine Bananenstaude ins Auto gereicht. Das ganze lief so zügig und für uns überraschend ab, dass es uns eher an eine Szene aus einem Agentenfilme erinnerte.

Über Anamur und Emenek ging es durch die Berge nach Mut, um nach soviel Stadt nun endlich wieder etwas Natur zu genießen. Diese Strecke kostete uns sehr viel Zeit, da wir einiges an Höhe erklimmen mussten, dafür hatte die Strecke aber landschaftlich auch einiges zu bieten. Die anschließende kurze Wanderung zum Yerköprü Wasserfall war eine sehr willkommene körperliche Abwechslung. Der Wasserfall ist zwar nicht der Höchste aber durch seine Art und seine Lage einer der schönsten, den wir je besichtigt haben.

Noch ganz hin und weg von dem schönen Nachmittag am Wasserfall beschlossen wir doch nochmal zur Küste zurück zu fahren und uns neben Sifilke auch Mersin anzuschauen. Mersin ist mit ihrer Skyline eine der modernsten und außerdem die dritt größte Hafenstadt in der Türkei. Das nächste Ziel war Kappadokien, einer der schönsten und bemerkenswertesten Landstriche in Zentralanatolien. In Derinkuyu besuchten wir eine der berühmtesten unterirdischen Städte, von denen es hier recht viele gibt. (ca. 50)

Derinkuyu verfügt über 8 Stockwerke, welche alle über verschiedene Gänge und Treppen miteinander verbunden sind. Ca. ein Viertel der Stadt ist freigelegt und 2 Prozent der Fläche für Besucher freigegeben. Diese reichen jedoch aus, um sich ohne Beschilderung hoffnungslos zu verlaufen.

Diese Städte waren für den Notfall ausgelegt und hatten alles was man zum Leben braucht. Es gab nicht nur Wohnräume, Kirchen, Schulen und Ställe (ja auch das Vieh wurde mitgenommen), sondern auch Bäckereien und Winerys.

All diese Stockwerke mit ihren Wohn und Nutzräumen waren über bis heute gut erhaltene und funktionierende Belüftungsschächte verbunden. In der Stadt herrschte das ganze Jahr über eine Temperatur von um die 8 grad plus.

Durch nur von innen zu bedienende sogenannte Rolltore konnte man sich vor unerwünschten Eindringlingen schützen. Diese wurden im Bedarfsfall einfach vor den Zugang gerollt und waren von außen fast nicht zu öffnen.

Zurück an der Erdoberfläche machten wir uns auf zum Ilhara Tal. Im Ort Ilhara stehen bewohnte und unbewohnbare Häuser eng beieinander und zeugen von einer sehr langen Dorfgeschichte. Das Ilhara Tal selbst, welches auch durch den Ort hindurchführt, ist eine 15km lange und bis zu 150m tiefe Schlucht, in der sich etwa 50 Felsenkirchen und zahlreiche Höhlenbauten befinden.

Einige der Kirchen können noch besichtigt werden.

Manche Kirchen wurden im Laufe der Zeit mit immer neuen Malereien ausgestattet, andere enthalten gar keine Malereien mehr.

Eine Wanderung im Tal ist unbedingt empfehlenswert. Im Sommer ist es hier sicher angenehm kühl. Wir hatten den "Wintervorteil", dass die Bäume keine Blätter hatten und die Höhlen so auf beiden seiten der Schlucht gut erkennbar waren.

Ein Teil des Tales von seinem Rand aus.

Auf dem Rückweg nach Zentralkappadokien statteten wir dem Nar Lake, das ist ein Kratersee eines erloschenen Vulkans, einen Besuch ab und blieben wegen der herrlichen Ruhe am See gleich noch über Nacht.

Über Kaymakli, wo sich auch noch eine sehr große unterirdische Stadt befindet und Göre, welches mit Höhlenbauten aufwartet, fuhren wir nach Nevsehir. Hier der alte Teil der Stadt.

In Uchisar besichtigten wir dieses alte Castle von innen und außen und bewunderten den großartigen Blick von oben ins Tal bis hinüber nach Göreme.

Die Seitenansicht vom Uchisar Castel.

Uchisar bei Nacht

Der Blick nach Göreme.

Noch heute bewohnte Steinhäuser, die auch als Kaffees, Restaurants, Hostels, Pensionen oder Hotel fungieren.

Göreme bei Dämmerung.

Es gibt hier verschiedene Täler, die erwandert werden können. Hier ein Teil des Love Valleys

Auch in Pasabagi haben einst Menschen gewohnt. Irgendwie kommt man sich hier vor wie in einem Märchenfilm

Von der Natur geschaffene Kunst

Noch einen Abstecher nach Ürgüp, ehe wir Kappadokien langsam verlassen.

Auch auf dem Weg von Ürgüp nach Yesilhisar gibt es immer wieder Steinhäuser.

Unser nächstes Ziel ist der Erciyes Dagi ein 3916m hoher Vulkan und DAS Skigebiet der Türkei.

Die Straße zum Skigebiet.

In der ganzen Türkei findet man angelegte Picknick-Parks. Solch einen jedoch auch hier oben zu finden, hat uns überrascht. Noch überraschender fanden wir jedoch die Tatsache, dass am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr und bei eisigem Wind fast alle Plätze besetzt waren.

Den Sonnenuntergang sowie den Sonnenaufgang am Erciyes Dagi wollten wir uns bei dem klaren Wetter nicht entgehen lassen. Dass die Nacht jedoch so kalt werden sollte, dass das komplette Führerhaus gefriert, haben wir nicht gedacht und hatten abends die Heizung ausgeschaltet. Immerhin waren im "Wohnraum" am Morgen noch angemessene 5 Grad. Nach ein paar Minuten Heizen und den wärmenden Sonnenstrahlen waren wir in einer knappen halben Stunde wieder aufgetaut und startbereit.

Morgens um 10:00 am Erciyes Dagi. Alle Lifte laufen, das Wetter passt.

Wer so viel fährt muss auch mal die Reifen wechseln. Schnell, freundlich und kompetent können wir zu den Beiden nur sagen.

Auf dem Weg von Develi nach Görksun, der Schnee hat uns wieder

von Görksun nach Malatya und weiter zum Nemrut Dagi ein unbedingtes Muss für uns

Als Guide hat man`s echt nicht leicht, Karte lesen, GPS im Auge behalten und aufpassen, dass der Fahrer nicht falsch abbiegt....

Es ist eisig kalt im Wind aber wir brauchen dringend Wasser und es ist trotz der Höhe der einzige Wasserhahn seit langem, aus dem auch wirklich Wasser kommt...

Dem Ziel ganz nah....
Nemrut Dagi, ist eine Grabstätte und ein Heiligtum. Mannshohe Statuen und verteilte Götterköpfe markieren hier den Platz, an dem König Antiochos1 im ersten Jahundert vor Christus seine Macht demonstrierte.
1987 wurde der Ort zum Weltkulturerbe erklärt.

Aus der Traum. Noch 8km trennen uns vom unserem Traumziel dem Nemrut Dagi. Doch die Strasse ist verschneit und unpassierbar. Laufen wäre eine Alternative. 16km Schnee und Schneematschwanderung, um verschneite Skulpturen zu sehen. Das war nicht der Plan. Mir blutet das Herz aber sehen wir es positiv, so haben wir einen Grund wieder zu kommen.

die Straße von Narince nach Siverek...
wir sind immer wieder überrascht, wie gut die Strassen in der Türkei ausgebaut sind.

morgens noch schnell ein frisches Brot geholt und frisch heißt hier HEISS

Pertek, die Inselfestung im Keban Stausee, lag auf unserem Weg und wir durften sie ausführlich von der Fähre aus bewundern.

andere Länder, andere Sitten.... und Verkehrszeichen.

Gümüsahne, eine moderne Universitätsstadt.
Von Pertek ging es über Tunceli und Erzican (einer sehr schön auf einem Hochplatteau gelegenen Stadt) nach Gümüsahne (hier im Bild).

Das Tal hinunter nach Macka (kurz vor Trabzon am Schwarzen Meer) erinnerte uns irgendwie an die Schweiz.

Am frühen Abend erreichten wir unser Ziel, das Sümela Kloster. Wie wir sofort erfuhren, ist es wegen Renovierungsarbeiten bis zum Herbst 2018 geschlossen. Schade. Aber es ist ja auch von außen sehenswert und so beschlossen wir, unterhalb des Klosters zu übernachten und am Morgen hinauf zu steigen.

Der gemächliche Morgenspaziergang hat sich gelohnt. Hoch liegt das Kloster im Sonnenschein in der Wand.

Da die Türkei zumindest im Osten ein sehr bergiges Land ist, ist auch immer wieder mit Bergrutschen zu rechnen. Allerdings waren solche Anblicke für uns zum Glück eher selten.

Wieder an einer Küste entlang , diesmal an der Schwarzmeerküste ging es von Trabzon über Rize nach Artvin. Diese Stadt ist so steil am Hang gebaut und die Straßen werden nach oben hin immer schmaler. Hier haben wir das erste Mal kapituliert und sind umgekehrt ohne die Stadt ganz zu besichtigen, da uns alles zu eng wurde.

Von Artvin ging es an einem Fluss entlang, der dann gestaut wurde. Dieser Stausee ist bis nach Yusufeli knapp 60 km lang.

Egal wie spät oder ob wir es brauchen, dieser Ort lädt einfach nur zum Innehalten ein und so genießen wir den Anblick des stillen Sees und der Ruhe drumherum.

Hier begegnete uns ein kleines Welpenrudel, welches wir sofort ins Herz schlossen

und hätten sie am liebsten allesamt eingepackt, da sie ohne Mutter unterwegs waren. Doch bereits an der nächsten Grenze wäre ohne Papiere für sie wohl alles vorbei gewesen. So blieb uns nur, sie mit dem restlichen Hundefutter, welches wir in Griechenland für solche und ähnliche Fälle gekauft hatten, zu füttern und schweren Herzens weiter zu fahren.

Wir beschließen nach Kars zu fahren, um von dort aus nach Ani zu kommen, der alten Armenischen Hauptstadt. Da Nemrut jedoch so verschneit war, wissen wir nicht, was uns erwartet oder ob wir vorher umkehren müssen.

Um Kars herum gibt es nicht nur eine Menge Schnee, sondern auch eine viele Füchse. Diese hier auf der Hochebene zu beobachten, ist bei dem klaren Wetter relativ leicht und ein echtes Vergnügen, zumal sie der Strasse sehr sehr nahe kommen.

Ani, wir haben es erreicht und es ist Gott sei Dank nicht so verschneit, wie wir befürchteten.
Ani ist die seit mehr als drei Jahrhunderten verlassene ehemalige Hauptstadt Armeniens und liegt heute in Ruinen und zudem auf dem Gebiet der Türkei. Zu besichtigen ist ein Teil der großen Stadtmauer, viele Grundmauern, sowie eine Moschee, eine Kathedrale, eine Kirche und die Reste einer weiteren Kirche. Das Gebiet ist sehr weitläufig und grenzt an eine Schlucht, die gleichzeitig die Grenze zu Armenien darstellt.

Diese armenische Kreuzkuppelkirche ist das größte Gebäude in Ani. Sie wurde zwischen 989 und 1010 erbaut. Die Kuppel und der Tambour brachen 1319 bei einem Erdbeben zusammen. Ein weiteres Erdbeben 1988 brachte die Nordwestliche Ecke zum Einsturz.

Besonders beeindruckt hat uns die höhe des Gebäudes, sowie das Dach, welches einzig aus Steinen besteht.

Das schönste Gebäude jedoch, welches wir immer mit Ani in Verbindung bringen werden, ist die Kirche des heiligen Gregor und Zitadelle.

Auf dem Weg nach Igdir. Durch das gut zugängliche Ani mutig geworden überlegten wir jetzt doch noch nach Igdir und zum Berg Ararat zu fahren. Wir wollten den Ararat von der türkischen Seite aus sehen, auf dessen Grund er auch steht und, da in der Nähe, auch gleich den Ishak-Pascha-Palast besuchen.

Die Arche in Igdir. Laut der Geschichte, landete die Arche Noahs am Berg Ararat.

Da nützt einem das beste Navi und die neuste Karte nix, wenn es Markttag ist und die Straße plötzlich zur Sackgasse wird.

Von vielen beobachtet, von anderen ignoriert, aber einer hilft und so kommen wir ohne größere Probleme rückwärts wieder raus ohne Marktstände abzuräumen oder anzuecken.

Der Eingang zum Ishak-Pascha-Palast. Leider verschlossen und wohl schon seit längerer Zeit. Warum können wir nicht in Erfahrung bringen. So schauen wir uns draußen um.

oder wie Wikipedia sagt.....
Der Ishak-Pascha-Palast ist ein zwischen 1685 und 1784 erbauter burgähnlicher Palast des osmanischen Emirs von Dogubeyazit Colak Abdi Pasa und seines Sohnes Ishak Pasa2.

Das Haupgebäude

die Umgebung

der Palast in seiner ganzen Pracht

Wir verbleiben lange am Palast und schauen ins Tal. Der Ararat hat immer einen Wolkenkragen aber die Spitze ist frei. Wir wurden belohnt, obwohl wir daran gezweifelt hatten, die Ziele Ani, Ararat und Ishak-Pascha-Palast im Winter besichtigen zu können, da Nemrut so verschneit war. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, hier her zu fahren. Somit haben wir in der Türkei alles gesehen, was uns wichtig war und können nun aufbrechen nach Georgien.

Zurück in Igdir stellen wir uns wieder auf den großen und fast leeren Parkplatz vor der Klinik. Essen zu Abend und lesen noch. Als wir gerade zu Bett gehen wollen, klopft es an die Tür. Zwei Männer stehen dort, fragen, was wir hier tun und ob wir verheiratet seien. Sie verstehen kein englisch, wir kein türkisch, doch alles scheint gut und wir versuchen es nochmals mit dem Zähneputzen, als plötzlich die Polizei auftaucht. Ein kurzes klopfen, wir öffnen die Tür und gehen raus und sofort stürmt ein Mann ins Auto. Bin ich froh, dass ich mich gerade wieder angezogen habe. Aber er schaut nur kurz und ist auch schon wieder draußen. Die Pässe werden verlangt, wieder wird gefragt, ob wir verheiratet seien und was wir hier machen. Einer spricht etwas englisch. So erfahren wir, dass es um irgendein Sicherheitsproblem geht. Sind wir das oder das Terrain auf dem wir stehen. Also der Klinikparkplatz. Oder das Terrain allgemein, also die Nähe zur armenischen Grenze? Wir werden es nie erfahren. Nach einem Telefongespräch des englisch sprechenden Polizisten und dem Versprechen unsererseits, morgen früh hier zu verschwinden, dürfen wir für die Nacht hier stehen bleiben. Dann sind sie verschwunden.
Wir verlassen am nächsten Morgen das Gelände und begeben uns Richtung georgische Grenze.
Zum Abschied zeigt uns der Ararat seine Spitze nochmal wolkenfrei.

Insgesamt haben wir die Zeit in der Türkei sehr genossen. Bis auf den Einbruchsversuch in Bergamo, gleich zu Beginn, haben wir die Türkei als ein sehr freundliches, modernes und sicheres Land empfunden.
In Sarpi, der Grenzstadt zu Georgien, verabschieden wir uns und sagen güle güle.
