2018-03-II In Georgien
- fred-on-discovery
- 22. März 2018
- 6 Min. Lesezeit
In Georgien
Die Einreise nach Georgien war völlig problemlos und innerhalb weniger Minuten erledigt.
Batumi, die einzige große Stadt auf georgischer Seite am schwarzen Meer begrüßte uns schon wenige Kilometer nach dem Grenzübergang.

Hier zeigen sich Baustile aus 3 Zeitepochen, die keinem Plan zu folgen scheinen. Villen aus dem Jugendstil,

kommunistische Neubauten

und futuristische Werke internationaler Architekten stehen hier bunt gemixt.

Nach ausgiebiger Besichtigung von Batumi wollten wir uns Mestia, das Zentrum von Svaneti, das auf ca. 1500m Höhe liegt anschauen. So fuhren wir aus einem frühlingshaften Batumi Richtung Kaukasus und mit jedem Meter, den wir an Höhe gewannen, wurde es kälter und nasser.

Die Straßen wurden enger und schlechter

und als ca. 50 km vor Mestia der Schnee auf der Straße liegen blieb,

entschlossen wir uns doch lieber umzukehren. Zumal die nächtlichen Temperaturen -10 Grad fallen sollten und die Straßen so schnell nicht wieder auftauen.
Im wärmeren Tal und auf besseren Straßen mit dem ständigen Blick auf die schöne Bergkette des Kaukasus'

erreichten wir das für seine Markthalle bekannte Kutaisi.

Hier gibt es ganz spezielle Süßigkeiten aus verschiedenen Nussarten mit einer Art Fruchtüberzug,


Gewürze, Käse, natürlich Obst und Gemüse
aber auch Mehl, Zucker, Reis usw.

Kutaisi nahmen wir als Ausgangspunkt, um die Klöster Mozameta und Gelati sowie die Kirche in Nikortsminda zu besuchen.
Mozameta, das soviel wie Kloster der Märtyrer bedeutet, liegt weithin sichtbar an einem steilen Hang über dem Rionital.

Das Kloster Gelati ist ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Baukunst und wurde 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

In vielen Kirchen und Klostern wurden die Wandmalereien zu Sowjetzeiten unrettbar mit weißer Farbe überstrichen. Einige hat man wohl vergessen.

Die Kirche in Nikortsminda ist die mit Abstand am kunstvollsten verzierte Kirche Georgiens.


Sie beeindruckt durch reich verzierte Ornamente an der Außenseite und reichhaltige Fresken in ihrem Inneren.
Ein weiterer Abstecher von der Hauptstraße auf teils unbefestigten Wegen

führte uns über Chiatura, die Seilbahnstadt. Sie liegt in einem engen Talkessel und noch heute befördern 22 Seilbahnen die Bewohner der Stadt, in der seit 1877 Manganerz abgebaut wird.

Bedingt durch die Jahreszeit empfanden wir die Stadt skurril und schmutzig, so dass wir sie sehr schnell wieder verließen. Im Sommer kann diese Stadt bestimmt ein ganz anderes Bild bieten.
Ein Highlight auf dieser Strecke ist das Kazchi-Säulenkloster, das auf einem 40m-hohen Kalksteinmonolith steht.

unterwegs kamen wir noch an der Katskhis cylindrical form Church vorbei und

hatten unterwegs immer wieder beeindruckende Blicke auf den Kaukasus.

Unser weiterer Weg führte uns nach Gori, der Geburtsstadt von Josef Stalin. Das Haus in dem er geboren wurde und in dem er bis 1883 lebte,


ist Teil des staatlichen Stalinmuseums.

Er wird hier bis heute verehrt. Aus unserer Sicht fehlt in der Ausstellung der negative Aspekt zu seiner Person gänzlich.
Unweit von Gori befindet sich die Höhlenstadt Uplistsikhe.

Hier wurden in dem ältesten, jemals besiedelten Ort (16 Jh. v. Chr.) Höhlen in den Fels gemeißelt. Den Höhepunkt erlangte die Stadt im Mittelalter als Umschlagplatz für die begehrten Waren aus Ost und West. 1920 wurde die Stadt von einem Erdbeben völlig zerstört, trotzdem kann man noch Überreste der antiken Weinkeller,

Kanalisationssysteme, Apotheke mit Regalen

und der Straßen erkennen. Durch einen Tunnel mit einem Durchmesser von 3m konnte

die Stadt bei Belagerungen mit Wasser vom Fluss versorgt werden.
Am Eingang trafen wir Philipp und Michael, die mit ihrem Subaru-Libero ebenfalls auf der Seitenstraße unterwegs sind. (auf Facebook: Subaru-Libero-Welttour)

Über die Autobahn erreichten wir Mtskheta, die alte Hauptstadt Georgiens, an der Kreuzung von Heer- und Seidenstraße. Den Mittelpunkt bildet die Swetizchoweli-Kathedrale.



Unweit von dieser befindet sich das Nonnenkloster Samtawro.

Oberhalb der Stadt erhebt sich weithin sichtbar die Kreuzkuppelkirche des Dshwari-Klosters.

Alle 3 Bauwerke gehören inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Anschließend wollten wir entlang der georgischen Heerstraße Richtung Kaukasus nach Stephantsminda. Leider war am Morgen die Straße komplett gesperrt,

so dass wir uns überlegten, erst das Schiomghwie-Kloster zu besuchen, eins der ältesten Klöster Georgiens. Es liegt in einer ruhigen Felslandschaft und besteht aus mehreren Kirchen.

Wenige Minuten Fußmarsch oberhalb der Klosteranlage steht noch eine kleine Kirche mit einem wunderbaren Blick ins Tal.

Am Nachmittag war die Heerstraße wieder frei, so dass wir bis zur Ananuri-Wehrkirche am Schinwalistausee fuhren.

Weiter ging es entlang der Heerstraße, die bereits im 1. Jhd. v. Chr. beschrieben wurde. Sie war die einzige Route über den Kaukasus und verbindet den Norden mit dem Orient.


Immer höher schlängelt sie sich und gibt fantastische Blicke auf die Berge des Kaukasus frei.
Ein Relikt aus Sowjetzeiten ist das monumentale Denkmal der 200-jährigen georgisch-russischen Freundschaft.

Auffallend sind die kilometerlangen Schlangen von geparkten LKWs, was uns eine böse Vorahnung auf die weiteren Straßenverhältnisse gab.

Auf der weiteren Strecke, die durch viele enge Tunnels führten, wurde uns klar, warum die LKWs warteten.





Polizeilich geregelt kann aufgrund der Enge der Tunnels immer nur eine Richtung befahren werden, so dass man gegebenenfalls mit sehr langen Wartezeiten rechnen muss.


Zurück aus dem Kaukasus freuten wir uns auf die georgische Hauptstadt Tbilisi, wobei wir zuerst das Denkmal der Geschichte Georgiens besuchten.

Weiter ging es in die Altstadt mit ihren alten Häusern und dem berühmten Bäderviertel. Unter diesen Kuppeln befinden sich die traditionellen Schwefelbäder, die typisch für Tbilisi sind, was auf georgisch „heiße Quelle“ bedeutet.

Oberhalb thront die Festung Narikala mit der daneben stehenden Statue der Mutter Georgiens. (ganz rechts)


Das wohl berühmteste Bad in Tiblisi ist das blaue Gebäude links im Bild, das wie eine Mosche aussieht. Wir hatten viel gelesen über die Schwefelbäder und wollten es unbedingt selbst ausprobieren. Damit wir keinen Touristen-Napp erleben, haben wir uns für ein Public-Bad entschieden und wurden überrascht. Wir haben für 3h gebucht, in Erwartung eines Thermalbades. Männer und Frauen gehen getrennt. Es gibt jeweils einen Umkleideraum und einen Baderaum. Im Baderaum befinden sich Duschen, die aus Plastikrohren ohne Duschköpfen bestehen, gemauerte Sitzbänke an den Wänden und 1-2 Marmor- oder Steinliegen. Dazu 1-2 Badebecken, unwesentlich größer als eine große Badewanne aber ca. 1,40m tief. Dazu der vergangene Charm der 1930 Jahre mit abbröckelnder Farbe von der Decke, nacktem Betonfußboden und schon etwas älteren Fließen an den Wänden. Die Frauen waschen sich gegenseitig. Dabei legt sich eine auf eine Steinbank und eine andere wäscht mit langsamen Bewegungen immer herzwärts, mit leichtem Druck. Ist der Körper gewaschen wird er mit einem Schlauch abgespült. Dann ist die nächste Person dran. Wer keinen Partner zum Waschen hat, holt sich die "Bademeisterin" aus der Umkleide, die dann das waschen übernimmt. Man kann sich natürlich auch selbst waschen oder duschen. Im Grunde genommen sind diese Badeanstalten der Ersatz für ein fehlendes Bad zu Hause. Wer nur das Schwefelwasser und ein angenehmes Bad möchte, kann sich jedoch auch Privaträume mieten.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Festungsanlage befindet sich der Fernsehturm und der Mtatsminda-Vergnügungspark,


die durch die 1906 gebaute Standseilbahn Funicular mit dem Einkaufsviertel Rustaweli verbunden sind. Von hier hat man auch einen wunderschönen Blick auf den Kaukasus.

Freiheitsplatz in Tiblissi mit der goldenen Statue des Heiligen Georg, dem Schutzpatron Georgiens.

Die Friedensbrücke verbindet die Altstadt

mit dem Parkanlagen unterhalb der Metechikirche,

von der man abends einen faszinierenden Blick über die Stadt hat.


Die erst 2004 von außen fertig gestellte Sameba-Kathedrale ist aus hellen Naturstein errichtet und im Innenraum mit Marmor ausgelegt. Sie ist mit einer Höhe von 84m die dritthöchste orthodoxe Kirche der Welt.


Weiter besuchten wir das Dinamo-Stadion. Hier erinnerten wir uns traurig an den 13.Mai 1981.

An diesem Tag geschah nicht nur das Papstattentat auf Johannes Paul II sondern noch eine weitere Katastrophe. Da verlor nämlich im Finale des Europapokals der Pokalsieger Jena mit 1:2 gegen Dinamo Tbilisi und verhinderte somit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte Jenas.
Positiv dachten wir aber auch an den Anfang der 2000er Jahre, als mit Alexander Iaswili, Lewan Kobiaswili und Lewan Tskitishvili gleich 3 georgische Spieler beim SC Freiburg unter Vertrag standen.
Direkt neben dem Stadion befindet sich das Seidenmuseum, in dem der Werdegang von der Raupe bis zu den edelsten Textilien gezeigt werden.


(Die Raupe ist übrigens rechts)
Zurück am Auto stellten wir fest, dass wir Flüssigkeit verlieren.

Es stellte sich heraus, dass der Radbremszylinder Bremsflüssigkeit verliert. Da keine Werkstatt die Teile bestellen konnte, mussten wir sie mit Hilfe aus Deutschland (vielen lieben Dank nochmals) direkt in die Werkstatt bestellen. Da dies etwas dauert, sind wir gezwungen, bis zum Eintreffen der Teile in der näheren Umgebung von Tbilisi zu bleiben.
Inzwischen kennt uns die Bäckersfrau persönlich.

Als wir eine weitere Kirche besuchen wollten, saß der Geistliche mit ca. 15 Frauen an einer reich gedeckten Tafel. Wir wurden sofort hinzugerufen, bewirtet und mussten früh um 10 schon selbstgemachten Wein probieren. Nach ein paar Toasts und Gegentoasts auf die Deutsch-Georgische-Freundschaft konnten wir etwas angeheidert gegen Mittag das Gelände verlassen. Die Kirche zu besichtigen, hatten wir dann aber ganz vergessen.


Die Georgische Gastfreundschaft hat uns sehr berührt.