2018-06-I 5 Tage observiert durch Turkmenistan
- fred-on-discovery
- 3. Juni 2018
- 5 Min. Lesezeit

Um nach Turkmenistan zu fahren, benötigt man ein Visa. Dies erhält man nur als organisierte Reise mit turkmenischem Reiseleiter und Führung. Alternativ kann man ein Transitvisa für 5 Tage beantragen. Dazu muss man normalerweise persönlich auf einer turkmenischen Botschaft erscheinen. Die Vergabe des Transitvisas entspricht einem Lotteriespiel, so dass viele Reisenden keine Durchfahrt durch Turkmenistan gewährt wird. Ist dies der Fall, muss man um nach Usbekistan zu kommen, entweder über das Kaspische Meer verschiffen oder drumherum fahren. Da wir dies ausschließen wollten, haben wir uns entschieden, das Turkmenistanvisa über eine Visaagentur zu beantragen. Hier half uns die Firma Spomer aus Bad Honnef (vielen Dank nochmals), die unsere Pässe mit den entsprechenden Visas an die Botschaft in Eriwan schickte, wo wir sie problemlos abholen konnten. Dieser Service kostet zwar etwas, erspart aber viel Lauferei und Nerven.
Die Ausreise aus dem Iran verlief überraschend problemlos. Das Carnet wurde ordnungsgemäß abgestempelt und nach einem kurzen Blick ins Auto waren wir schon entlassen.
Die Einreise nach Turkmenistan verlief etwas anders. Zuerst mussten wir wieder einmal warten, bis jemand von der Passstelle kam, dann wurden wir zum Bankschalter geschickt, um die Gebühr für die Transit-Einreise für Personen zu bezahlen. (14$ für den Mann, 10$ für die Frau – und da heißt es immer, Frauen werden diskriminiert.., und sie brauchen ab hier kein Kopftuch mehr tragen.) Danach wurden die Pässe gescannt und gestempelt und wir wurden wieder getrennt. Während der Beifahrer durch die Personenkontrolle ging, muss der Fahrer zu Fahrzeugdeklaration. Hier werden an 3 verschieden Stellen Papiere ausgefüllt, kopiert und gestempelt und wir mussten für die Fahrzeugeinfuhr incl. Versicherung, Dieselsubventionszulage (die wird aufgrund der planmäßig zu fahrenden Kilometer berechnet-ein Liter Diesel kostet nach offiziellen Kurs 30 EuroCent) und diverse weitere Posten ca. 180$ zahlen. Auf einem Zettel mit der Skizze des Landes wurde genau eingezeichnet, welche Strecke wir zu fahren haben.

Anschließend wollten die Beamten nochmals 10$. Als ich fragte warum, sagten sie für Bier und Kaffee. Als ich das verneinte, wurde ich missmutig zum Zoll entlassen. Hier wurden wieder Papiere ausgefüllt und wir erhielten einen GPS-Tracker für unser Auto, damit wir die ganze Zeit überwacht werden können.
Anschließend ging es zur Fahrzeugkontrolle. Diese verlief etwas gründlicher, aber auch nicht detailliert, wahrscheinlich war die Neugier größer, was alles in den Schränken und Kisten ist. Nachdem die Neugier befriedigt war, wurden wir ins Land entlassen, mit dem Hinweis, die ersten 5 km keine Fotos zu machen, da alles militärisches Sperrgebiet sei.
Nachdem wir wieder im Auto waren, haben wir gemerkt, dass die ganze Zeit die DashCam an war. Als wir uns später die Aufnahmen ansehen wollten, war genau für die Zeit an der turkmenischen Grenze keine Aufnahme gespeichert. Irgendwie muss die Aufnahme an der Grenze gestört worden sein.
Insgesamt hat die Einreise nach Turkmenistan 2 Stunden gedauert, wir waren allerdings auch die Einzigen an der Genze.


Unser Weg führte uns zuerst in die Hauptstadt Ashgabat. So etwas haben wir noch nicht gesehen, die ganze Stadt ist modern, fast alle Gebäude in weißem Marmor oder weiß gestrichen und riesige menschenleere Alleen.


Man kam sich vor, wie in einem sterilen Vorzeigeviertel.
Zuerst fuhren wir in einen Supermarkt, um nach 4 Wochen Iran, mal wieder ein Bier zu trinken.

Da trafen wir dann auch tatsächlich Menschen, wobei uns auffiel, dass alle sehr streng schauten und auch keinen Kontakt suchten. Da die turkmenische Währung vor Jahren fest an den US-Dollar gebunden wurde, gibt es einen sehr schlechten Wechselkurs, womit alle Produkte für uns extrem teuer sind. Es soll zwar einen Schwarzmarktkurs geben, der bis zum fünffachen über dem offiziellen Kurs liegt, aber wir wollten, wohl wissend, dass wir überwacht werden, für die 5 Tage kein Risiko eingehen. Also kauften wir das Nötigste und schauten uns soweit möglich, die Stadt an.



Weiter nördlich sahen wir dann auch kommunistische Neubauten, die nicht dem Vorzeigestadtbild entsprechen.

Fast alle Autos sind weiß, es gibt wohl inzwischen ein Gesetz, dass nur noch weiße Autos in der Hauptstadt zugelassen werden dürfen. Ashgabet steht übrigens im Guiness-Buch als die weißeste Stadt und die Stadt mit den meisten Springbrunnen.



Ashgabat hat kein historischen Stadtkern, da das gesamte Gebiet am 06.Oktober 1946 von einem großen Erdbeben zerstört wurde, bei dem 100 Tausend Menschen ums Leben kamen. Heute leben ca. 600 Tausend Menschen in der Hauptstadt.

(Flughafen)


Am nächsten Tag besuchten wir die alte Ruinenstadt Nisa, die ca. 18 km von Ashgabat entfernt ist und schon im 1. Jahrtausend v. Chr, existierte, aber bereits im 14. Jahrhundert n.Chr. standen hier schon nur noch Ruinen. Es wundert also nicht, dass der Besuch nicht sehr lohnenswert ist.

Am 3. Tag verließen wir Ashgabat Richtung Derweze. Dort gibt es einen großen Gaskrater, bei dem die russische Regierung in den 70-er Jahren die Förderung von Erdgas testete. Die Vorkommen schienen als nicht förderwürdig und so entschloss man sich, das austretende Gas einfach anzuzünden, in der Annahme, dass es schnell verbrenne. Das Feuer brennt bis heute und wird Tor zur Hölle genannt. Es ist inzwischen eine der größten Attraktionen Turkmenistans.



Von der Hauptstraße führt eine ca. 7km lange Sandpiste bis zum Krater. Da wir keine Lust hatten, unser Auto festzufahren, entschlossen wir uns, für ein paar Dollar mit einem jungen Mann in einem alten UAZ zum Krater zu fahren.


Inzwischen werden am Krater in Jurten Übernachtungen angeboten.
Diese stehen wohlweislich in einiger Entfernung, da der Gasgeruch direkt am Krater sehr unangenehm ist.

In der Nähe des Gaskraters befindet sich noch ein Wasserkrater, bei dem dauernd Gasblasen aufsteigen. Zum Glück kann dieser nicht auch noch brennen. Dies war ein weiterer Bohrversuch der Sowjets.

Zurück auf der Hauptstraße, die hinter Ashgabat noch ganz okay ist, fuhren wir weiter Richtung Norden.

Ob es mitgenommen werden wollte oder hat nur der Po gejuckt?

Am nächsten Tag hatten wir nur noch 150km bis zur Grenze. Da die Straße je weiter man Richtung Norden kommt, immer schlechter wird und die letzten 100 km vor der usbekischen Grenze nur noch eine sehr sehr schlechter Feldweg ist, brauchten wir über 5 Stunden.


Diesem Gefährt (wir schätzen mal, dies war der Schulbus) schadet die Strasse wohl nicht so sehr, wie dem unserem.

Kurz vor der Grenze besichtigten wir noch das Mausoleum und die Minarette von Old Urgench, ein Unesco-Weltkulturerbe.


Da es schon gegen 17 Uhr war, als wir an die Grenze kamen und das Ein- und Ausreiseprozeder wohl wieder Stunden beanspruchen wird, übernachteten wir wieder genau vor der Grenze und beobachteten das Treiben der Händler, die, wie sich später herausstellte, massenhaft leere Plastiksäcke von Turkmenistan nach Usbekistan über die Grenze bringen, um diese dort zu verkaufen.
Die Ausreise am nächsten Morgen verlief wieder etwas hektisch, da die Grenze erst um 9 Uhr öffnete, die Händler aber schon ab 7 Uhr vor der Grenze warteten. Wir wurden als einzige Touristen zum Glück nach vorn gelotst und kamen dadurch in den Genuss einer schnelleren Abfertigung. Die ausgegebenen Zettel wurden eingesammelt, die Pässe gestempelt, das Fahrzeug ausgeführt und der GPS-Tracker eingesammelt. Bei der semigründlichen Fahrzeugkontrolle interessierte man sich mehr für die Fotos, die wir gemacht haben. Wahrscheinlich wollten sie sicher gehen, dass wir keine Spione sind. Es lief aber alles korrekt und freundlich ab.
Trotzdem erinnerte der ganze Aufenthalt sehr an den überwachten Transitverkehr zu Zeiten der DDR. Es ist erschreckend, wenn man sieht, dass die Hauptstadt als Prestigeobjekt so einen Reichtum zeigt und der Rest des Landes doch sehr verarmt ist. Aber auch das erinnert sehr an die Zeiten im ehemaligen sozialistischen Teil Deutschlands.