2018-07-I Tadschikistan
- fred-on-discovery
- 9. Juli 2018
- 6 Min. Lesezeit
Von Samarkand fuhren wir zu dem erst seit 01.03.18 wieder geöffneten Grenzübergang Richtung Pandschakent. Die Ausreise verlief total easy, kurzer Blick ins Fahrzeug, das war's. An der tadschikischen Grenze zahlten wir 25 Dollar für die temporäre Fahrzeugeinfuhr und nach einem kurzen Blick ins Auto hieß es: Welcome to Tajikistan. So einfach hatten wir uns das trotz eVisas nicht vorgestellt.

Die Landschaft änderte sich schlagartig und so fuhren wir im Fan-Gebirge, mit seinen bis zu 5500m hohen Bergen, an die Haft-Kul (sieben Seen). Die Straße dorthin war jedoch so schlecht, dass wir es vorzogen, am 3. See zu bleiben




und den 4. See nur noch zu Fuß zu erkunden.

(10 Mann im Wolga - kein Problem)
Anschließend fuhren wir zum Iskanderkul, einem Möränensee im östlichen Teil des Gebirges.


Hier, im touristischsten Teil des Fan-Gebirges trafen wir außer 2 Langzeittravellern niemanden.


So genossen wir die Ruhe und die Ausblicke.
Richtung Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans muss man über einen 2700m hohen Pass und einen extremen Tunnel. Dieser ist ca. 5 km lang (inzw. sogar schlecht beleuchtet), sehr eng und hat kaum Luftaustausch. Hinzu kommt, dass dieser bergauf geht und die LKWs bedingt durch den hier ebenfalls sehr schlechten Diesel, sehr viele stickige Abgase rausschleudern, so dass wir heilfroh waren, als wir endlich wieder draußen waren.


Kurz nachdem wir diesen Tunnel passierten verloren wir an der Einfahrt zu einem kleineren Tunnel auf der Fahrerseite die Hinterräder. Wieso sich diese gelöst haben, ist uns bis heute ein Rätsel.


Zum Glück halfen gleich 2 Tadschiken, so dass wir relativ schnell langsam weiter fahren konnten.
Erschreckend für uns war, mit welcher Geschwindigkeit und wie knapp PKWs und LKWs an der Unfallstelle vorbeirasten.
So fuhren wir also extrem langsam die restlichen 50 km nach Dushanbe, um in einer Werkstatt alles checken zu lassen. Da Samstag war, erreichten wir unseren Ansprechpartner nicht und so schauten wir uns erst einmal die Stadt an.

Vor dem Präsidentenpalast

wurde 2011 der höchste Flaggenmast der Welt eingeweiht. Er misst 165 m und die tadschikische Fahne wiegt allein 300 kg.

Das dieses Land, welches eines der ärmsten Länder der ehemaligen Sowjetrepubliken ist, da es weder Öl- noch Gasvorkommen hat, sich an dem Wettbewerb um den höchsten freistehenden Flaggenmast beteiligt, ist schon bizarr, zumal die Hälfte der kompletten Bevölkerung als arm gilt und mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen muss.
Weiterhin protzig wirkt das 30m hohe Monument mit der Statue des als Vater der Nation geltenden Samanidenherrschers Ismael.

Auch von oben wirkt die Stadt nicht wirklich einladend.

Abends sind dann die Parks sehr kitschig beleuchtet.


Kleine Bäckereien sind in der ganzen Stadt verteilt.

Nach dem Wochenende fuhren wir dann in die Werkstatt und campierten direkt davor.

Wir trafen viele „neue Freunde“

und da direkt neben unserem Stellplatz ein Fußballfeld war, wurde es uns auch abends nicht langweilig.

Da beim Verlust der Räder die Felgenlöcher ausgeschlagen waren und es keine Felgen in unserer Größe in ganz Dushanbe gab, musste uns ein Dreher neue Löcher in die Felgen bohren.

So konnten wir wenigstens weiter fahren. Ob dies die Felgen bei diesen schlechten Strassen allerdings aushalten, konnte uns aber niemand bestätigen.
So verließen wir die Hauptstadt mit einem etwas mulmigen Gefühl,

da wir ja noch auf den Pamirhighway wollten, der für seine extrem schlechten Straßen bekannt ist.
Vorher fuhren wir noch zum Nurek-Stausee

und fragten eine Familie, ob wir auf Ihrer Einfahrt übernachten dürfen.

Wir wurden (Widerspruch war zwecklos) sofort eingeladen und Jussuf, der Familienvater, ein Kinderarzt, lief mit seinem Krankenhaus-Dress durch den Garten und die Ställe, um uns sein Reich zu zeigen.

Die Verständigung klappte dank des Bilderheftchens ganz gut.


Der Sohn zeigte uns stolz seine Wohnung,


nur seine Frau (in der Küche) wollte sich uns nicht wirklich zeigen. Am Abend fuhren Sie uns noch zu ihrer geplanten Datscha, wo 2 Hilfsarbeiter die Felder bestellen.

und man einen schönen Blick über den See hat.
Am nächsten Tag fuhren wir dann weiter über



Hulbuk und Kulab

zum Tor des Pamir.

Vor dem Pass trafen wir Dieter, einen schweizer Velofahrer,


der uns von seinen Erfahrungen als Radfahrer in Tadschikistan berichtete.
Etwas hinter dem Pass sieht man erstmals die Bergkette Afghanistans

und diverse Schilder erinnern daran,


nicht so achtlos durch die Natur zu laufen.
Die Strasse ist anfangs noch sehr gut, da neu

und wird, je weiter man Richtung Khorog, der größten Stadt auf dem Pamirhighway, kommt immer schlechter.



So kann man oft nur mit 10 – 15 kmh fahren, aber dafür entschädigen einen die Ausblicke auf die Berge.


Da hier die Kleinbusse nur selten und vereinzelt fahren, ist das Mitnehmen von Personen hier vollkommen normal.

Das tadschikische Nationalgericht Palov, bestehend aus gebratenem Reis mit Hammelstücken und geraspelten gelben Steckrüben,

wird oft an der Strasse verkauft

und in der freien Küche zubereitet.

So geht es immer entlang an der afghanischen Grenze,

wo man nachts auch schon mal Schüsse hört, da die tadschikische Polizei Jagd auf afghanische Schmuggler macht, bis man nach Khorog kommt.

(Innenraumreinigung auf tadschikisch)

In Khorog teilt sich der Pamirhighway in die anfangs noch gut ausgebaute M41 und eine Strasse durch das Whakan-Valley, welche immer weiter an der afghanischen Grenze entlang führt.
Wir entscheiden uns zunächst für den Weg durch das Valley,

da 40 km hinter Khorog heiße Quellen kommen sollen.

Es wird getrennt gebadet, für Frauen gibt es 3 dieser kleinen Becken,

für Männer gibt es dieses schöne freie Becken hinter einem Bauzaun.

Aber zu gewissen Zeiten wird auch gewechselt.
Anschließend fahren wir weiter

und merken, irgendetwas stimmt mit der Lenkung nicht.
So fahren wir langsam zurück nach Khorog und besuchen Aidar in seiner Werkstatt. Er hat bei Mercedes in Mannheim gelernt und leitet nun mit Hilfe der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit ein Trainings- und Education-Center,


in dem ca. 20 Jugendliche in Kraftfahrzeugtechnik ausgebildet werden. So waren wir natürlich das interessante Trainingsobjekt.


Sie überprüften und justierten die Lenkung, stellten fest, dass die Spurstangenköpfe durch die schlechten Strassen ausgeschlagen sind, fetteten diese, da es in Khorog keine Ersatzteile für unser Auto gab und richteten alles so weit ein, dass wir über den Pamir kommen.
Wir entschieden uns daraufhin nicht weiter durch das Whakan-Valley zu fahren, sondern die kürzere Strecke der M41 zu folgen.




(typische Verkaufsläden und Werkstätten entlang der Straße)
Belohnt wurden wir auch hier mit wunderschönen Blicken auf die Berge




und das ganze Tal erinnerte uns landschaftlich sehr an die Schweiz.


Unterwegs sahen wir immer wieder Einheimische, die ihre Teppiche auf der Hauptstraße wuschen.


Aber auch hier ging der Weg höher und höher und auf ca. 3500m kamen nochmals heiße Quellen, die von einer jungen Familie betrieben werden.


Das Moos an den Wänden ist optisch unschön, nimmt der Dusche und dem Bad aber nix von seiner Wohltat.

Obwohl wir allein waren, mussten wir getrennt baden.
Nach diesem angenehmen Bad ging es weiter und weiter bergauf,

bis wir zum ersten Passüber 4200m kamen.

Die Landschaft war inzwischen sehr karg und das Auto hatte mit der Höhe schon mächtig zu kämpfen. Kurz bevor die Strasse vom Whakan-Valley auf die M41 trifft,

gibt es einen Abzweig zum wunderschönen Bulukul-See.

Weiter ging es auf schlechten Strassen



vorbei an Dörfern, Schafherden und vielen fetten Murmeltieren.

Dann trafen wir auf Cathy aus Singapur,

die mit ihrem Fahrrad gegen den hier heftigen Wind ankämpfte und froh war, sich bei uns etwas windgeschützt ausruhen zu können.
Murghab, die zweitgrößte „Stadt“ auf dem Highway hatte für uns nichts bieten,



es gab noch nicht einmal Diesel, so fuhren wir weiter Richtung Al-Baital,



dem höchsten Pass mit 4655m.
Kurz vor dem Pass überholten wir noch einen belgischen Radfahrer, der fast so schnell wie wir unterwegs war.

Mit großem Schnaufen, Rauchauspusten und Vollgas erklommen wir im untersetzten Gang den Pass.




Auf der anderen Seite zogen schon große Schneewolken auf und

wir erreichten abends den malerischen Karakul-See auf 3900m.

Nach einer kalten Nacht mit -2°C erwachten wir morgens mit frischem Schnee

und einer traumhaften Sicht auf den See und die Berge.


Nachdem wir uns etwas umgeschaut hatten und die Sonne auch das Auto etwas gewärmt hatte,



verließen wir auch den Ort Karakul und


fuhren zum letzten Pass, auf dem die tadschikische Grenzstation liegt. Unterwegs hatten wir noch schöne Blicke auf die Berge


und auf einmal trafen wir eine Gruppe von 5 Radfahrern.

Da waren wir doch froh, dass wir nicht selber strampeln mussten.

Auf dem Weg zum letzten Pass und kurz vor der Grenzstation war die Strasse so steil (wirkt auf dem Foto nicht so steil),

dass der wenige Diesel, den wir noch hatten, in den hinteren Tank floss und das Auto auf einmal ausging. So mussten wir 200m vor der Grenze die letzten 10 Liter Diesel einfüllen, um noch vorwärts den Pass zu erklimmen.

An der Grenzstation wurde dann die Strasse so schlecht, dass man sich echt fragt, wer hier noch durchfahren soll.

Zumal die nächsten 20 km bis zum kirgisischen Grenzposten, die schlechteste Strasse des ganzen Highways sein soll, da sich niemand dafür zuständig fühlt.
Die Ausreiseprozedur aus Tadschikistan verlief dann auch problemlos, wir wurden zwar gefragt,
ob wir Geschenke für die Zöllner hätten und obwohl wir das verneinten, wurden wir noch zum Tee eingeladen. Da es aber wieder zu Schneien anfing und wir die schrecklichen 20 km vor uns hatten,

machten wir uns auf nach Kirgisistan.