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2018-08-II Kasachstan

  • Autorenbild: fred-on-discovery
    fred-on-discovery
  • 21. Aug. 2018
  • 9 Min. Lesezeit

Der Grenzübergang von Kirgisistan nach Kasachstan war unkompliziert , sachlich, freundlich und recht schnell.

Zu unserer freudigen Überraschung trafen wir "Günther" an der Grenze wieder, tauschten Neuigkeiten aus und beschlossen dann, zusammen zu campen. So suchten wir erst einmal einen geeigneten Platz.

Nach einem wieder einmal sehr netten Abend starteten wir gemeinsam in einen unglaublich heißen Tag, an dem wir uns schon zum Frühstück vor der Sonne schützen mussten.

Der erste Weg im neuen Land führte uns nach Almaty. Am Straßenrand erwartete uns ein unglaubliches Angebot an Himbeeren, Bromeeren, Aprikosen und allerlei Gemüse.

Almaty zeigt sich als moderne Stadt und liegt wunderschön mit Blick auf die Berge und wenn man diese einmal nicht sieht, gibt es eben andere Dinge zu sehen.

Blick auf die Berge von einer Shoppingmall.

Die Sprungschanzen am Rande der Stadt wurden für die Winter-Asien-Spiele 2011 erbaut.

Wir wollten dem Großstadtrummel jedoch entfliehen und fahren hinauf in den Ile-Alatau National Park, um dort zu übernachten.

Am nächsten Morgen verlassen wir Almaty schon wieder und starten in Richtung Kapshaghai-Stausee,

der nördlich von Almaty liegt und dort auch sehr touristisch ausgebaut ist.

Am Nordufer des Stausees gibt es dann mehr Natur und kaum noch Menschen.

Das Land ist riesig groß und wir haben eine weite Strecke vor uns, besonders nachdem wir uns entschieden haben, die Hauptstadt Astana anzuschauen. So brechen wir schon am nächsten Morgen wieder auf, Richtung Westen und haben zum ersten mal den Anblick der Kasachischen Steppe.

Doch schon wenige Stunden später fragen wir uns, ob das eine so gute Idee war. Denn dies ist die Hauptverbindungsstraße und sie sollte leider die nächsten 200 km nicht besser werden.

Am Balchaschsee, dem nunmehr größten See Kasachstans (nachdem der Aralsee fast ausgetrocknet ist), bleiben wir über Nacht und genießen die Abendstimmung,

den Sonnenuntergang, die Ruhe, die laue Abendluft und später einen fantastischen Sternenhimmel.

Weiter durch die weiten Ebenen, vorbei an Kamelen,

und kleinen Dörfern.

Zur rechten Seite immer der Balchaschsee, mal mehr und mal weniger nah.

Der See hat eine länge von 620km und die Straße führt an ihm entlang. So fahren wir immer wieder an sein Ufer.

Die Fahrt auf dieser Straße ist extrem anstrengend und eine Belastung für Mensch und Material und auch für manch eine LKW- Ladung.

Auf Fotos sehen die Straßen immer so schön glatt und gerade aus und wenn man darüber fährt, dann schaukelt und klappert alles.

Trotz der noch immer über 600 km bis Astana gönnen wir uns einen sonnigen Nachmittag am Strand. Der See hat zwar eine Ausdehnung von bis zu 18.428 km², aber nur eine maximale Tiefe von 26 m. Damit kommt er sehr schnell auf eine angenehme Badetemperatur.

Wir kommen immer wieder an Friedhöfen vorbei aber auch wie hier an einzelnen "Gräbern", die wegen ihrer Größe doch sehr beeindruckend für uns sind.

Heuernte, auch hier im vollen Gange.

Zum Glück gibt es hier wenig Bäume, leider aber auch wenig Ausweichmöglichkeiten.

Der letzte Ort am See, bevor die Straße nach Astana abbiegt ist Balqasch. Hier kaufen wir nochmal ein,

gehen zum letzten Mal baden in diesem super angenehmen Wasser

und helfen wieder mal beim Rausschieben eines Autos, dessen Fahrer unbedingt bis zum Wasser fahren wollte (das kann man hier von Kirgisistan bis Kasachstan an jedem See erleben, mehrfach am Tag und es ändert nichts am Verhalten der Fahrer).

Wir kommen nach Karaganda, die letzte größere Stadt vor Astana.

Schauen uns nur kurz um und suchen einen Platz zum Übernachten.

Hier haben es sich die Architekten einfach gemacht.

Wir entdecken noch ein glänzendes Denkmal von Juri Gagarin

und finden dann an einem See gleich neben der Stadt einen Platz für die Nacht, doch wirklich einladend ist es hier nicht. Leider sind solche Anblicke keine Ausnahme, sondern die unschöne Realität.

Endlich, nach 6 Tagen Fahrt auf schlechten Straßen sind wir in Astana, der Hauptstadt Kasachstans.

So fahren wir zum Nomad Hostel, welches sehr zentral liegt und uns eine Stadtbesichtigung per Fuß ermöglicht. Kanat der Leiter des Hostels spricht englisch und deutsch und wir erhalten wertvolle Informationen von ihm. Wir waschen Wäsche und gehen dann in die Stadt.

Astana zeigt sich modern und lebendig.

Im Zentrum der Stadt befindet sich ein Park der sich vom Ak-Orda Palast (weißes Haus im Hintergrund), bis zum Einkaufszentrum (ca. 2 km Fußweg) erstreckt und

in dessen Mitte der Bajterek-Turm, als Wahrzeichen der Stadt, trohnt. Die Sicht vom Turm, in deren Kuppel man mit einem Fahrstuhl gelangt, ist durch die getönten und damit spiegelnden Fenster leider etwas getrübt. Bei uns kam dann auch noch Regen dazu.

Der Turm ist recht schön anzusehen, war aber lange nicht so groß, wie wir ihn uns vorgestellt hatten.

Zu vorgerückter Stunde leuchten nun auch die ersten Lichter der Stadt, wie hier am Ak-Orda Palast und geben all dem noch einmal ein anderes Flair. Einzig der zunehmende Regen störte.

Gern hätten wir eine laue Sommernacht in Astana erlebt, doch die Hauptstadt zeigte uns die kühle 16 Grad und Regen Schulter.

So liefen wir noch bis zum Einkaufszentrum am anderen Ende des Parks, (das Zelt im Hintergrund mit dem Namen Khan Shatyr), das in dem Moment seine Pforten schloss (23 Uhr), als wir dort ankamen.

Es hat die ganze Nacht geregnet und dies scheint die Stadt nicht gewöhnt zu sein. Das Wasser steht überall und die Dachrinnen laufen auf den Bürgersteig, statt direkt in eine Kanalisation.

Somit erleben wir ein wahrlich wasserreiches Astana, welches einige Herausforderungen an uns stellt, uns den Rest der Stadt anzusehen und dabei, so trocken wie möglich zu bleiben.

Und solange kein Auto kommt, hat man auch eine Chance.

Gegen Mittag wird das Wetter etwas besser, aber von Sonne weit und breit nix zu sehen.

Die Pyramide des Friedens und der Eintracht

ist ein 77m hohes Bauwerk.

Das Denkmal der Unabhängigkeit.

Die Hazrat Sultan Moschee.

Wir verlassen Astana in Richtung Norden nach Russland und fahren auf einer neuen Autobahn.

Wir kommen zügig voran, als wir ein Pling hören. Das war sicher ein Stein denkt jeder von uns, als es kurz darauf wieder Pling macht. Wir schauen uns an und fahren rechts ran. Beide springen wir aus dem Auto und sind fassungslos, als wir sehen,

dass es uns zwei Schrauben regelrecht abgeschert hat. Lag es an den selbst gedrehten Schrauben aus Tadjikistan oder an den schlechten Straßen oder an allem zusammen? Keine Ahnung aber hier auf der wenig befahrenen Autobahn 130 km hinter Astana eine sau blöde Situation. Wir fahren ganz ganz vorsichtig weiter bis zur nächsten Möglichkeit, die Straße ein paar Meter zu verlassen und bleiben dort stehen. Weiter zu fahren trauen wir uns nicht, wer weiß, wann die nächste Schraube Pling macht. Abschleppen lassen? Ja aber wie ohne gute Russischkenntnisse und das am Telefon? Da fällt uns Kanat, der Leiter vom Nomad Hostel ein und ihm schicken wir eine Nachricht.

Er meldet sich sofort und wir überlegen, wie er uns am besten helfen kann. Er würde uns ein Taxi mit neuen Schrauben schicken. Super Idee, die jedoch daran scheitert, dass wir die Radtrommel nicht abbekommen. Auch das Wetter mit wieder einmal Regen und kaltem Wind ist wenig hilfreich. So bleibt doch nur der Abschlepper (Evakuator auf russisch). Doch für heute ist es dafür zu spät und außerdem ist Sonntag. So bleiben wir über Nacht an einer sehr ruhigen Autobahn stehen.

Am Montag Mittag ist dann der Abschlepper da, den uns Kanat besorgt hat. So geht es Huckepack zurück nach Astana . Der junge Mann ist recht geschäftstüchtig und bedeutet uns, er könne die Reparatur durchführen.

Kaum in Astana in einer Hinterhofgarage angekommen, sind auch schon Helfer und die neuen Schrauben da. Die Jungs haben sichtlich Mühe zu dritt, die Radtrommel zu lösen. Als dies geschafft ist, geht der Rest recht schnell. Sie schimpfen noch über die tadschikische Qualität der dort selbst gedrehten Schrauben und schwören auf die gute Ware aus Kasachstan (mal schauen, wie lange diese halten). Sie versuchen noch, neue Felgen zu organisieren, aber unsere Größe ist in ganz Astana nicht aufzutreiben.

Noch bevor wir aus der Garage gefahren sind, ist die Hälfte der Truppe auch schon wieder weg. Doch der Fahrer und ein Freund haben noch Zeit für ein Foto.

Nun scheint auch die Sonne in Astana und wir fahren nochmal zum Nomad Hostel, um uns bei Kanat für seine Hilfe zu bedanken und die Stadt doch noch bei Sonne anzusehen.

Die Wartezeit auf der Autobahn (wir hatten zum Glück Internet) haben wir genutzt, um uns nach Ersatzteilen (Originalschrauben und möglichst neuen Felgen) umzusehen. Da kam die Nachricht aus Bischkek vom Autobasar, sie hätten alles, was wir bräuchten. Also auf, zurück nach Bischkek, Kirgisistan.

Dieses mal nehmen wir eine kürzere Strecke, welche uns nicht über Almaty führt. Dafür schauen wir noch in Dolinka vorbei. Hier gab es von 1931 bis 1959 ein Arbeitslager auf einer Fläche von 22000 km². Was es hieß, in so einem Arbeitslager inhaftiert zu sein, ist im Internet gut dargestellt, würde aber hier den Rahmen sprengen. Dieses Gebäude war die Verwaltung und sah nur von außen harmlos aus.

So fahren wir wieder durch die Kasachische Steppe, ca. 1000 km zurück

und haben es langsam satt, über Straßen zu fahren, die diesen Namen nicht verdienen. Aber wir haben auch keine besseren Alternativen.

So genießen wir die Angebote des Straßenrandes und hoffen, das Alles gut wird.

Doch die kasachischen Straßen gehen sprichwörtlich ihre eigenen Wege und man schleicht stellenweise mit 10 - 15 km/h hunderte von Kilometern entlang.

Um so mehr genießen wir das Frühstück am Fluß im Sonnenschein, bevor es wieder auf die sogenannte Straße geht.

In den "stan"-Ländern ist der Begriff Umweltschutz noch nicht so bekannt, wie wir immer wieder erleben müssen.

Wir sind endlich zurück an der Grenze zu Kirgisistan und genehmigen uns noch einen vorerst letzten Somsa in Kasachstan. (mit Fleisch und Zwiebeln gefüllte Brötchen). Zum Glück sind Kirgisistan und Kasachstan für uns visafrei und in einer Zollunion mit Russland, so können wir problemlos hin- und herreisen.

Es ist ungeschickter Weise wieder mal ein Sonntag, als wir in Bishkek ankommen und in der Stadt lebt der Flohmarkt.

So schaut es aus wie in einer Werbung für ein riesiges weißes Waschmittel....

Der Autobasar hat auch am Sonntag geöffnet und unsere Schrauben gab es wie versprochen auch. Nur bei den Felgen hat er wohl unsere Maße nicht so genau gelesen und diese passten somit nicht. Da wir nun schon einmal hier sind, gönnen wir uns auch gleich neue Reifen und wechseln auch gleich das 36 Jahre alte Ersatzrad mit aus (zum Glück, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte).

Den Nachmittag verbringen wir im Park und suchen dann den Schlafplatz vom letzten Besuch in Bischkek auf.

Gerade gegenüber von unserem Stellplatz befindet sich ein traditionelles Restaurant,

in welchen man die lauen Abende genießen kann.

Kaum in Kirgisistan sind wir anderthalb Tage später auch schon wieder in Kasachstan, wieder in Almaty. Da unser Zeitplan durch ein längeres bleiben in Kirgisistan sowie einer zweiten Einreise nach Kirgisistan eh für die Katz ist, beschließen wir, uns nun hier in Ruhe umzuschauen, zumal das Wetter super ist.

So fahren wir wieder in den National Park Ile-Alatau bei Almaty, nur diesmal bei tollem Wetter und fahren bis hinauf zum Stausee,

genießen dort die letzten Sonnenstrahlen und kommen gerade zu einer

Fotosession von einem Brautpaar.

Ich frage sie, ob ich sie auch fotografieren dürfte und so konnten auch wir die schöne Tracht noch bewundern.

Wir tanken nochmal frisches Quellwasser und begeben uns wieder auf die Fernstraßen Kasachstans.

Raus aus der Stadt, vorbei an der Halyk-Arena geht es gen Osten auf einer neuen Autobahn.

Später finden uns schon auf einer Gravelroad wieder, die erst noch eine Straße werden will.

So sind wir im Scharyn-Nationalpark, der nach dem ihn durchfließenden Fluss benannt ist.

Eine Wanderung im Canyon ist gerade im Abendlicht besonders reizvoll und

selbst Fredi kann sich kaum bremsen, alles noch und noch und noch einmal zu fotografieren.

An der engen Durchfahrt hat er besonders viel Spaß.

Der Blick von oben nach rechts und

der Blick nach links.

........ die Steppe lebt

Wir verlassen die Region und fahren auf dem kürzesten Weg nach Semei. Container haben wir schon in vielen Funktionen erlebt auf unserer Reise. Aber als Zaun noch nicht.

Diese Straße scheint etwas besser zu sein, hoffen wir es bleibt so. Wir langen derweil bei Melonen tüchtig zu.

Ja, es kann schon von Vorteil sein, wenn man sein Fahrzeug beherrscht.

... und dann gibt es Straßen, da fragt man sich, was haben sich die Planer dabei gedacht?

Bei uns reicht ein einfaches Ortseingangsschild, so banal verfährt man hier nicht.

Auf einem Stellplatz treffen wir Steffi und Dominik aus Köln und verbringen zusammen einen netten Abend.

Melonen, soweit das Auge reicht. Sie sättigen und löschen den Durst. Was will man mehr?

... bessere Straßen! Das ist der ewige Wunsch in Kasachstan

und so kommt es, wie es kommen musste, wir haben wieder Mal einen Schaden (also einen Reifenschaden). Natürlich ist es der Innere von den Zwillingsreifen.

Wieder liegt einer unterm Auto....

da ist das Problem. Dafür ist es dann doch recht einfach zu beheben. Schade nur, um den Reifen.

Und so geht es ohne Ersatzrad weiter Richtung Russischer Grenze, immer in der Hoffnung auf bessere Straßen und keinen erneuten Reifenschaden.

Trotzdem können wir auch noch die Umgebung genießen

und die Schönheit der Natur wahrnehmen.

Wir sehen die kleinen Dörfer, die im Sommer recht idyllisch ausschauen...

...in all dem Grün...

und doch nichts anderes sind als Zeugen von harter Arbeit und Armut.

Vorbei geht es an Friedhöfen

und Straßenausfahrten, die ins Nichts zu führen scheinen.

So kommen wir nach Semei (ehemals Semipalatinsk), der Stadt, in deren Nähe sich zu Sowjetzeiten das größte Atomwaffentestgelände befunden hat.

Inzwischen wurde ein Monument für die Opfer der fast 500 russischen Atomtest errichtet.

Die Sowjetregierung hat bis 1989 die Bevölkerung in absoluter Unwissenheit gelassen. So ist heute die Strahlenbelastung immer noch um ein Vielfaches höher, als der empfohlene Maximalwert und es gibt unzählige Strahlenkranke.

Wir verlassen das Gebiet schnellstmöglich.

Aber andere haben es noch eiliger.

So fahren wir die letzten Kilometer zur russischen Grenze auf einer angenehmen Straße im Abendlicht und freuen uns auf die besseren Straßen in Russland. Kasachstan ist ein riesiges Land, in dem man schnell die Entfernungen unterschätzt, zumal diese sich auf solchen Straßen zu vervielfachen scheinen. Es gibt viel zu sehen und vielleicht kommen wir wieder, aber erst wenn die Hauptstraßen fertig sind.

Die Grenze zu Russland liegt vor uns. Am nächsten Morgen verlassen wir Kasachstan.

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