2018-09-I Russland Teil II (von Bernaul nach Ulan Ude)
- fred-on-discovery
- 5. Sept. 2018
- 7 Min. Lesezeit

Der Grenzübergang von Kasachstan nach Russland scheint nicht viel frequentiert zu sein. Vor uns steht ein Kleinbus aus Kirgisistan, die Männer aus dem Bus wollen nach Irkutsk zum Arbeiten. Mehr sind wir nicht an diesem Morgen an diesem Grenzübergang. Raus aus Kasachstan war schon fast eine Minutensache und rein nach Russland ging genauso zügig. Die Dame an der Passkontrolle war etwas harsch vom Ton, um so freundlicher der junge Zöllner, der das Auto kontrollierte. Er versuchte sich in englisch und wir hatten alle viel Spaß dabei.

Willkommen in Russland, wir freuen uns besonders auf die nun hoffentlich besseren Straßen.

Bernaul , die erste große Stadt hinter der Grenze überrascht uns durch ihre Moderne. Wir vergeuden keine Zeit und suchen nach Reifenhändlern, denn noch sind wir ohne Ersatzrad unterwegs. Nachdem wir zwei neue Reifen erstanden haben, geht es zum Einkaufszentrum zum Wäsche waschen (was extrem praktisch ist (Wäsche abgeben, einkaufen gehen, Wäsche abholen, weiter fahren).

Dabei sehen wir noch schöne alte Häuser in der Stadt.

Von Bernaul geht es zügig weiter nach Nowosibirsk. Vorbei an idyllischen Seen, an denen die Russen ihrem Ruf, als leidenschaftliche Angler gerecht werden.

Wir sind in Sibirien

auch wenn diese riesigen Sonnenblumenfelder uns hier eher überraschen.

Nowosibirsk liegt am Ob und ist eine Stadt, die keine Wünsche offen lässt,

selbst Badefreuden im Ob sind möglich (wer es kühl mag).

Der Stadtkern zeigt sich mit modernen Glasfassaden und

Relikten aus der Vergangenheit,

wie der Kapelle St. Nikolas, welche auf dem parkähnlichen Mittelstreifen in der Stadt steht.

Wir besuchen den Theaterplatz, auf dem sich auch Lenin aufgestellt hat.

Durch eine ladenreiche aber sauerstoffarme Straßenunterführung geht es weiter

zur Alexander Nevsky Kathedrale, die sich durch sehr schöne Innenräume auszeichnet.

Wir übernachten am Ufer des Obs und haben am Morgen Nachbarn mit einer sehr interessanten Reisegeschichte.

Melanie und Stefan fahren mit ihrem alten 190er um die Welt und sammeln Spenden. 5c 100c steht für 5 Kontinente und 100 Länder.
ein nettes Video vom Stellplatz: https://www.facebook.com/stefan5c100c/videos/2251221421558878/

Wir verlassen Nowosibirsk und nehmen den Sibirien-Highway nach Kemerowo, vorbei an vielen kleinen urigen Dörfern.

In Kemerovo halten wir uns nicht lange auf, besuchen aber noch die Church of Holy Trinity.
Innenansicht: https://www.youtube.com/watch?v=rI1oAtydeQE

Hier erleben wir einen Glöckner, der mit Leib und Seele bei der Sache ist: https://www.youtube.com/watch?v=RguNwevi1lA

Von Kemerovo geht es weiter durch Landschaften, wie aus dem Bilderbuch. Blühende Wiesen, kleine Flüsse und Birken über Birken.

Wir übernachten an einem Fluss, von dem wir annehmen, dass es der Tschulym ist. Hier gibt es eine interessante schwimmende Brücke, die einen heiden Lärm bei der Überfahrt verursacht und eine schon etwas in die Jahre gekommene metallene Hängebrücke.

Wir erreichen Krasnojarsk am Jennisej. Die Stadtrundfahrt hier erfolgte unfreiwillig und aus Mangel an Parkmöglichkeiten für unser Auto.

So fuhren wir u.a. am krasnojarsker Big Ben vorbei.

In der Nähe der Intercession Kathedrale finden wir dann doch einen Parkplatz und können zumindest diese Kathedrale besichtigen.

Manches mutet etwas fremd an, wie z.B. die linke Box, aber trotzdem

hat sie sehr schöne Wand- und Deckenmalereien.

Weiter fahren wir zum Stolby Nationalpark am Rande der Stadt und erkunden ihn bei bestem Wetter.

Hier gibt es jede Menge Steinformationen zum Klettern oder auch nur zum Anschauen.

Und diese Steinformation ist die berühmteste. Hier erleben wir einen alten Kletterer, der sie in Windeseile ohne Seil erklimmt.

So wandern wir zwischen den einzelnen Steinblöcken herum und erfreuen uns an der Natur.

Streifenhörnchen gibt es hier recht viele und wir könnten ihnen stundenlang zusehen.

Diese kleinen Vögel sind unglaublich zutraulich, sicher auch weil sie an ständige Besucher gewöhnt sind ...

... und noch einmal so ein süßer Geselle, an dem wir uns kaum satt sehen können.

Noch einen Abstecher zur Church of Nativity , deren Kirchhof voll von Honigständen steht.

Wir probieren uns durch den super leckereren Honig, um uns dann reichlich mit dem Leckersten einzudecken.

In vielen russischen Büchern sprechen die Schriftsteller von Mütterchen Russland, von der grandiosen Natur und oft von der großen Sehnsucht nach ihrer Heimat. Hier in der Weite Sibiriens, fangen wir an, sie zu verstehen.

Birkenwälder soweit das Auge reicht. Und dahinter? Birkenwälder.

Auf einem zum Glück nur kurzen Stück Straße erleben wir ein Deja-vu. Nein, wir sind nicht in Kasachstan und wir sind froh, dass es schnell vorbei ist.

Eine Warnung am Straßenrand. Leider halten solche Bilder die Vorbeifahrenden nicht davon ab, weiterhin viel zu schnell zu fahren oder permanent mit dem Handy zu spielen.

Ein typisch russischer Bahnübergang. Wohl auch eine Art, russisches Roulett zu verhindern.

Wir sind in Irkutsk. Selbst diese Stadt, so weit im Osten, hat alles was eine europäische Stadt auch hat.

Hier nehmen wir uns etwas mehr Zeit, die Stadt zu erkunden. Zuerst besuchen wir die Kazan Church, eine russisch-orthodoxe Kirche

mit einer pompösen Innenausstattung.

Das Denkmal für die Frauen, die ihren Männern in die Deportation gefolgt sind.

Dies ist das originale Haus von Wolkonsky, der nach der Revolution von 1825 in St. Petersburg hier im Exil leben musste. Er hat sich dieses Haus von seinem Ursprungsort in das Exil "nachliefern" lassen und dort neu aufgebaut. Heute befindet sich das historische Museum der deportierten Decambristen darin.

Auf dem Markt kann man reichlich in den Produkten der Saison schwelgen.

Die Savior Church beeindruckt innen wie außen.

Die Epiphany Cathedrale.

Frei übersetzt: das Moskauer Tor.

Holzhäuser bedürfen eben besonderer Achtsamkeit.

Von Irkutsk sind es ca. 250 km zur Insel Olchon, der Perle des Baikalsees.

Birken beherrschen das Landschaftsbild.

Vorbei an einem Schamanenheiligtum. Auf solche werden wir nun häufiger treffen.

So fahren wir im Abendlicht zum Fähranleger.

Unser erster Blick auf den Baikalsee, dem tiefsten See der Erde, mit einer Tiefe bis zu 1642 m. Er besitzt ein Fünftel des gesamten Süßwasseraufkommens der Erde und hat mit seinem Volumen von über 23000 km³, mehr Inhalt als die Ostsee.

Für uns: der Wandersmann. Wir haben im Internet nichts über ihn gefunden, aber er steht an der Westseite des Baikals, mit dem Rücken zum See und scheint zu überlegen, wohin er geht.

Wir nehmen gleich am nächsten Morgen die kostenlose Fähre auf die Insel.

Die 40 km lange Wellblechpiste bis zum Hauptort Khuzhir ist nicht das, was wir uns gewünscht hätten. Unser armes Auto.
Alles rappelt und klappert, obwohl wir nur ganz ganz langsam fahren.

Dafür sind die einzelnen Buchten ein Traum und fast überall gibt es Sandstrand.

Das Wasser ist unglaublich klar, es hat Trinkwasserqualität und ist doch recht kühl.

Wir entscheiden uns für eine Bucht und treffen auf Sepp und Susi aus dem Großraum Dachau. Sie waren schon viel in der Welt unterwegs und so gibt es natürlich viel zu erzählen.

Dann kommt Oleg. Er hat Fredi beim Fotoshooting am Strand gesehen und möchte nun auch ein Bild von ihm.

Es ist nicht nur der Ruf des mystischen Baikalsees, sondern auch die Natur, die uns begeistert. (Ehrlich? Keine Ahnung, was das für ein Gewächs ist. Aber es sieht toll aus).

Einmal mit einem Buchanka fahren..... Na mit der Kopffreiheit ist das so ein Ding.

Er ist stolz auf sein Auto und er verdient sein Geld damit.

Wir fahren (hoppeln) weiter nach Khuzhir, dem Hauptort auf der Insel Olchon.

Hier gibt es jede Menge Hotels, Hostels, Restaurants und Bars.

Dort suchen wir nach einem neuen Stellplatz und finden diesen vor dem Nationalpark.

Dieser ist auf einem langen Stück von Holzschnitzereien umgeben.

Zuerst wandern wir zum Schamanenfelsen.

Er ist ein altes Heiligtum und natürlich ein toller Anblick. Der Anblick von links

und von rechts das Postkartenmotiv.

Die sogenannten Ovoos, die auf ein Heiligtum hinweisen.

Natur wie aus dem Bilderbuch.

Wir entschließen uns zu einer abendlichen Wanderung im sandigen Nationalpark.

Der Sand, die Bäume, das Licht.

Der Blick zurück in Richtung Schamanenfelsen. (Das könnte auch irgendwo am Meer sein.)

Der Nationalpark ist ein Campertraum

und Toiletten gibt es hier auch - mit Ausblick.

Der Sandstrand in der Abendsonne

Massentourismus auf russisch. Aber auch wir buchen eine Tour mit einem UAZ Buchanka, dem russischen VW-Bus, um unser Auto zu schonen, welches diese Strecke nie geschafft hätte.

Die Tour führt zu verschiedenen Aussichtspunkten der Insel und geht von 10:00 bis 17:00.

Wir sind froh, nicht mit unserem Auto gefahren zu sein.

Das Fenster am Baikalsee, gleich neben dem nördlichsten Punkt.

Während die Touris die Nordspitze der Insel erkunden, kochen die Fahrer der Buchankas Fischsuppe.

Die Suppe an sich, ist ganz lecker, unsere Fischköpfe jedoch, landen bei den Möwen.

Insgesamt scheint es allen zu schmecken.

Dann kommen wir zum Wunschfelsen. Der Stein muss ins Wasser treffen, dann geht der Wunsch in Erfüllung. Rechts die Frauen, links die Männer. Ich habe 4x nach rechts geworfen und nicht ins Wasser getroffen. Nun gut, das ist das Leben, ich bin halt wunschlos (glücklich).

Der Rückweg gestaltet sich genauso wie der Hinweg, es schaukelt ohne Ende und das Auto tut einem in der Seele leid.

Ein Halt noch bei einer Inselfamilie. Hier gibt es Tee, Klangschalen, Stiefel und allerhand Souvenirs. Das interessanteste für uns jedoch, die Kinder. Auch Fred kann sich mit seinen Artgenossen austauschen.

Männerurlaub auf russisch.

Wir verlassen die Insel und das klare Wasser des Baikals und fahren zurück nach Irkutsk, um von dort aus, über Ulan Ude in die Mongolei zu fahren.

Kleine Dörfer auf dem Weg nach Ulan Ude, der letzten großen Stadt vor der Mongolei.

und immer wieder wunderschöne Birkenwälder.

Manchmal hilft nur noch Beten, dass alles gut geht.

Entlang des Sees, dessen Ufer wir noch ein beträchtliches Stück folgen (der Baikal hat übrigens eine Uferlänge von 2125 km), gibt es immer wieder die Möglichkeit, Fisch in verschiedenen Varianten zu kaufen.

Die häufigste Variante ist Salzfisch und sie ist hier sehr beliebt.

Die Parish Svyato- Nikolsky Church in Kultuk am Baikalsee.

Auf diesem wunderschönen Platz, den wir auserkoren hatten, um über Nacht zu bleiben, fraßen uns schier die Mücken auf und so zogen wir weiter

wieder auf die Hauptstraße und dann durch ein kleines Dörfchen, wieder hinunter zum See.

Wir finden einen schönen Ort, vor uns der See und

hinter uns die Berge. So können wir noch den Sonnenuntergang genießen.

Die Menschen in den ländlichen Gebieten von Sibirien stehen an den Straßen und verkaufen, Obst, Gemüse, Beeren aus dem Wald und Pilze. Für viele ist dies ihr einziges Einkommen.

Auf dem Weg nach Ulan Ude kommen wir an diesem hübschen Gebäude vorbei. Wir halten an, um zu sehen, ob es etwas zu besichtigen gibt.

Kaum sind wir durch das Tor, stehen wir auf einem alten Gutshof. Hier hat den vielen Bildern nach, zumindest zeitweise die adlige Familie Romanow gewohnt. Zur Zeit wird das Gehöft saniert.

In Ulan Ude verbringen wir nur eine Nacht, um am Morgen gleich weiter zu fahren. Die Stadt werden wir auf dem Rückweg anschauen.

Ca. 20 km hinter Ulan Ude liegt ein großes buddhistisches Zentrum. Auch hier halten wir für einen Rundgang.

Es gibt neue und alte Tempel und selbst den Bereich, in denen die Mönche in kleinen Holzhäusern leben zu besichtigen.

Nach einer ausgiebigen Besichtigung fahren wir weiter Richtung Mongolei.